Leseprobe: Q&A Gleichwohl

Wie unterscheide ich heute zwischen „Ich bin überfordert“ und „Ich bin depressiv“?

Ich bin seit mehr als 8 Jahren nicht mehr in einer „ich bin depressiv“-Phase gewesen. Was ich daran festmache, 

  • dass sich Emotionen und Gefühle in relativ kurzer Zeit wieder ausbalancieren,

  • dass ich mich nicht in einem dunklen Nebel gefangen fühle,

  • dass mein Körper sich über Nacht besser anfühlt, anstatt erschlagener,

  • dass ich relativ schnell eine Lösung finden möchte und kann,

  • dass ich eine Situation, auch wenn ich sie nicht ändern kann, akzeptieren kann,

  • dass ich Geschehnisse und Empfindungen mit Abstand betrachten kann,

  • dass ich mich traue zu fühlen, ohne Angst, dass es mich überwältigt. 

Das Überfordersein-Gefühl kommt in einer Welle und geht auch wieder wie eine Welle. Es ist kein permanenter Sturm mehr. 

Wie habe ich den Alltag organisiert, wenn ich innerlich kaum Kraft hatte?

Ich habe recht früh begonnen, zu priorisieren. Unser Haus sah manchmal nicht wirklich gastfreundlich aus, aber das war mir egal. Wichtig war für mich, dass es den Kindern gut geht. Also haben wir gelesen, anstatt die Küche aufzuräumen. 

Wir waren nur einmal am Tag draußen und der Hundespaziergang wurde gleichzeitig zu einem aufregenden Ausflug über die Felder mit dem Laufrad. 

Auf den Spielplatz oder zu Freunden sind wir an solchen Tagen nicht. Es gab Nudeln mit Tomatensoße, dafür habe ich die Wäsche im Korb gelassen, anstatt sie aufzuhängen. Und das Wichtigste für mich, ich habe mich damit auseinander gesetzt, was ich brauche, um funktionieren zu können. Ich habe bewusst das aus meinem Leben aussortiert, was mir mehr Kraft genommen, als geschenkt hat. Stück für Stück.

Kinder leben voll im Moment und diese Eigenschaft habe ich mir von ihnen abgeschaut. So viel es mir mit der Zeit immer leichter, nicht gleich direkt beim Aufwachen den ganzen Tag planen zu müssen. Es ist nicht schlimm, wenn ich morgens noch nicht genau weiß, was ich kochen werde. Und es ist auch nicht schlimm, wenn ich mal einen Tag nichts koche. Wichtig ist dabei, dass ohne schlechtes Gewissen zu tun. 

Je leerer unser Kopf ist, je weniger wir an das denken, was wir zu erledigen haben, umso mehr schaffen wir zu erledigen. Das ist paradox, aber es ist so.

Das komplette Q&A findest du hier

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Heute bestimme ich! Angstfrei durch den Alltag.

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Warum gehe ich immer vom Schlimmsten aus, selbst wenn in der Realität nichts passiert?