Heute bestimme ich! Angstfrei durch den Alltag.

Logbucheintrag #1626012026

Hey ihr da draußen,

im letzten Logbucheintrag hatte ich euch darüber geschrieben, dass es hier als Erdling passieren kann, dass du leicht dazu neigst, zukünftige Ereignisse oder mögliche Ereignisse zu katastrophisieren.

Und genau an so einer Stelle meines Lebens stehe ich gerade einmal wieder. 

Ohne weiter ins Detail zu gehen, möchte ich euch heute davon erzählen, wie ich mittlerweile mit solchen Momenten umgehe:

Ich werde viel mehr zu einem Beobachter. Einem stillen Beobachter. 

Und konzentriere mich nur darauf, mich locker zu machen, zu entspannen, den Dingen ihren Lauf zu lassen. 

Körperlich achte ich auf meine Atmung und eine entspannte Körperhaltung.

Auf Verstandsebene versuche ich, die Gedanken absichtsvoll und bewusst zu lenken, und sage zu mir selbst, in Momenten, in denen ich merke, dass sie in Richtung Drama oder Katastrophe abbiegen wollen, so Sätze wie:

„Egal, wie es läuft, ich werde eine Lösung dafür finden.“

„Auch wenn ich überhaupt keine Lust darauf habe, akzeptiere ich, dass es nun mal auf der Tagesordnung steht.“

„Ich bin sicher, egal was heute geschehen wird.“

„Wenn ich Unterstützung möchte, dann bitte ich darum.“

„Es is wie’s ist. Lass einfach laufen und vertraue auf dich und das Leben.“

Und auf emotionaler Ebene bin ich so ehrlich und lasse meine Gefühle, die dazu hochkommen, in einem geschützten Rahmen, meist im Vorfeld schon, zu. Ich fühle, wie es mir gerade geht und lasse das wie eine Welle durch meinen Körper durch. 

Dabei beobachte ich meine Gedanken, beobachte meinen Körper und akzeptiere, dass ich jetzt hier stehe/bin, wo ich bin. 

Warum ist es wichtig, dass wir Menschen das können oder uns darüber austauschen? 

Ich erzähle euch heute davon, weil wir Menschen, ähnlich wie Tiere hier auf der Erde, in solchen Momenten des Stresses, also in Ausnahmesituationen, sehr instinktiv handeln.

Und dabei geht unser Nervensystem auf drei unterschiedliche Modi:

Kampf

Flucht

Erstarren

Wir können uns aber nur bedingt für eine dieser drei Optionen entscheiden. Je nachdem, wie hoch unser innerer Stresspegel ist, umso weniger sind wir noch in der Lage, bewusste und absichtsvolle Entscheidungen zu treffen. Wir entscheiden eher instinktiver, immer unbewusster, auf der Grundlage unserer vergangener Erfahrungen. 

Und genau das, von Impulsen und Instinkten übermäßig gesteuert sein, hält uns in alten Mustern fest. Wie gefangen fühlen wir uns dann manchmal, weil wir gar nicht anders können, und wie ferngesteuert etwas sagen, machen oder nicht machen, das wir im Nachhinein gerne anders gemacht hätten. 

Warum es uns in solchen Momenten schwerfällt, Angriffe oder vermeintliche Bedrohungen richtig einzuordnen, und wie der Hang zur Gefahrenantizipation uns dabei beeinflusst?

Gute Frage. Von außerhalb betrachtet, könnte man ja sagen: „Ist doch jetzt kein großes Ding.“ Oder: „Es ist doch offensichtlich, dass keine wirkliche Gefahr droht.“

Ja, von außen oder objektiv betrachtet mag das zutreffen. Aber wenn wir uns selbst in einer solchen Situation befinden, fällt es uns ziemlich schwer, Abstand zu gewinnen und die Lage mit einem kühleren Kopf zu betrachten. 

Wir Erdlinge sind einfach so unfasslich emotional, ob wir es bewusst wahrnehmen oder nicht. Wir empfinden in jedem Moment unseres Lebens etwas und unser Gehirn will all diese Empfindungen und Eindrücke immer so schnell wie möglich einordnen, sodass wir angemessen darauf reagieren können. 

Nur, was ist angemessen? Wer entscheidet das?

Unser Gehirn, unser Nerven- und unser Hormonsystem sind so „programmiert“, dass jede Gefahr sofort oder so schnell wie möglich erkannt wird, sodass wir uns darauf vorbereiten können. Diese „Gefahr“ muss nicht zwingend lebensbedrohlich sein, sondern kann schon durch kleine Kleinigkeiten: wie eine kritische Bemerkung, ein rauer Tonfall, ein abweisender Blick oder einen Witz ausgelöst werden. 

Das kommt auf unsere Erfahrungen an, die wir in unserem Leben bisher gesammelt haben. Und wenn wir in einer Situation sind, die wir in der Vergangenheit als mindestens unangenehm abgespeichert haben, beginnt unser Körper ab dem Moment des Triggers seine Arbeit und bereitet uns innerlich darauf vor, dass wir so sicher und geschützt wie möglich hier wieder rauskommen. 

Wir geraten also sehr schnell in einen Zustand erhöhter Wachsamkeit und reagieren dadurch oftmals impulsiv oder defensiv. 

Es wird gerne gesagt, früher hätten uns das vor „echten Gefahren“ geschützt, heute jagt in Westeuropa seltenst ein Bär hinter mir her.

Ist das Leben deshalb wirklich weniger gefährlich geworden? Definitiv, wenn wir schauen, wie viele Menschen durch Bären oder auch Hungersnot ums Leben kommen. Diese Gefahren haben wir aus unserem Leben weitgehend entfernt.

Aber wenn dir schon mal jemand das Herz gebrochen hat oder du in einer Familie mit Gewalt und emotionaler Kälte aufwächst…. Joooaaaaaa. Also ich bin mal so frech und behaupte, dass das eine ähnlich beschissene Gefahr ist, wie vor einem Raubtier davonzulaufen.

Also doch irgendwie voll und ganz sinnvoll, dass unser Körper immer noch so sensibel auf potentielle Gefahren reagiert. Denn, seine Aufgabe ist es, uns in Sicherheit zu wissen, damit wir hier unser Leben leben und Erfahrungen sammeln können.  

Gefahrenantizipation ist eng mit unseren tief verwurzelten Bedürfnissen nach Sicherheit und Bindung verknüpft. Schon als Kinder lernen wir hier, dass wir durch Anpassung, Leistung oder „Funktionieren“ Anerkennung und Sicherheit bekommen. 

Und je nachdem, in welchem Umfeld wir groß werden, ist unser „Will to please“, unter anderem der innere Wunsch, anderen zu gefallen und Konflikte zu vermeiden, zu einer Art Überlebensstrategie geworden. Und schwupp stehen wir eines Tages da und sind ein menschlicher Labrador, der unentwegt damit beschäftigt ist, zu schauen, was jetzt gerade von ihm verlangt werden könnte, was gerade gebraucht wird oder die Stimmung aufzulockern und anzuheben. 

Pausen führen zu schlechtem Gewissen. Kritik oder wenn jemand schlechte Laune hat, interpretieren wir sofort als gefährlich. Unser Körper schaltet auf Alarm um und es fällt uns unglaublich schwer, diese (innere) Spannung lange auszuhalten. 

In diesem Zusammenhang spielt unser Selbstbewusstsein eine zentrale Rolle. Aber nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Es geht nicht darum, schlagfertiger zu werden, immer recht zu behalten oder einen Konflikt zu gewinnen oder zu kontrollieren. Nein, es geht um unsere innere Sicherheit, die uns erlaubt, sichtbar und präsent zu sein und zu bleiben, ohne uns verteidigen zu müssen, ohne zu rechtfertigen, ohne direkt die Verantwortung zu übernehmen, den Sündenbock zu spielen oder aktiv für Harmonie zu sorgen. 

In der Vergangenheit war dieses Sichtbarbleiben oft gleichbedeutend mit Angreifbarkeit. 

Denn Kämpfe und Auseinandersetzungen waren Mechanismen, um mich zu behaupten. Aber wie;s halt so läuft, hatte ich ganz oft das Gefühl, aus diesen „Kämpfen“ nur selten als Gewinner hervorgegangen zu sein und das führte zu Rückzug, Überanpassung, Überveranwortlichkeit und eben auch dem Hang, Gefahren so früh wie möglich zu erkennen, zu kontrollieren oder zu vermeiden. 

Ich musste lernen, Spannungen auszuhalten, ohne gleich in Verteidigung, Rechtfertigung oder Überverantwortlichkeit zu verfallen. Einfach mal laufen lassen…. :)

Akzeptieren, dass es jetzt grade ist, wie es ist, und mir bewusst machen, dass mir nichts passieren kann. 

Das mag sich verrückt anhören. Aber nur, weil ich schon in einem erwachsenen Körper war, fühlte ich mich in manchen Situationen noch wie ein Kind. Das ist eine sehr abgefahrene Erfahrung. Und muss im Hinterkopf behalten werden, wenn man hier auf der Erde nicht unter die Räder kommen möchte.

Deshalb ist es im Laufe der Jahre zu meiner Strategie geworden, dass ich mich gar nicht erst so krass stressen lasse. Damit mein Nervensystem nicht schon auf Alarm eingestellt ist. Sondern meine inneres Erregungslevel relativ niedrig und ausbalanciert ist. .

Das ist ein langer Weg, weil es ein komplexer Weg ist. Kein komplizierter. Aber innere Ruhe bekommst du nicht über Nacht, wenn du zuvor jahrelang dauerangespannt warst. 

Ein Erdling, mit seinem menschlichen Körper, speichert erstmal ALLES ab, was ihm widerfährt. Mit den Augen, mit den Ohren, mit der Nase, mit der Haut, mit dem Hirn, mit dem Herz. Es ist eine unfassliche Menge an Eindrücken, die unter Umständen so intensiv sein können, dass das eigentlich gar nicht für einen einzigen Körper ausreicht :)

Also, wie kommt man als Mensch vom Gefahren-Antizipator hin zu innerer Sicherheit, Ruhe und Flexibilität, sodass wir absichtsvoll handeln können und wollen?

- Sich selbst regelmäßig Ruhe gönnen. Und in dieser Ruhe bewusst Raum schaffen, um Erfahrenes zu verarbeiten.

- Sich klar machen, was wir mit diesem Ereignis bezwecken wollen, den Sinn hinter meinem Handeln erkennen. 

- Um Unterstützung bitten, mir klar machen, welche Art der Unterstützung ist brauche.

- Mir das Worst-Case Szenario ausmalen und mit Abstand betrachten. Was wäre, wenn? Wäre es wirklich so schlimm? Habe ich nicht schon Schlimmeres hinter mir?

- Mich daran erinnern, wie stark ich bin, wie sehr ich mich auf mich verlassen kann. Und daraus ein Vertrauen mir und dem Leben gegenüber etablieren, durch das ich mir sicher bin, dass ich immer Lösungen finden werde. 

Akzeptieren

Wohl das Wichtigste. Manche Ereignisse können wir nicht kontrollieren. Manche Termine nicht ändern. Manchmal ist das Leben einfach, wie es ist. 

Und in diesen Momenten geht es nicht darum, etwas zu ändern oder zu kontrollieren. Es geht eher darum, sich selbst zu zeigen, wie wir noch damit umgehen können, wie wir reagieren oder nicht reagieren. 

Akzeptieren zu lernen, war mit eine der schwierigsten Herausforderungen meines Lebens. Einfach annehmen und aushalten, dass es jetzt ist wie, es ist.


Wenn du magst, spür mal in dich rein, wie sich dein Körper verändert, wenn du dir nur sagst: „Ich akzeptiere, dass es jetzt grad ist , wie es ist.“

Bei mir reagiert alles darauf. Meine Schulter sacken runter. Meine Atmung verlangsamt sich und mein Gehirn atmet gefühlt auf, weil es sich keine weiteren Gedanken mehr darüber machen muss.

Sobald wir verstanden haben, wie unser Körper arbeitet, wie unser Nervensystem, unser Gehirn und unsere Hormone in Stress- und Konfliktsituationen reagieren, können wir beginnen, unsere Reaktionen besser zu verstehen und einzuordnen. 

Wir können nun Schritt für Schritt beginnen, neue Denk-und Verhaltensmuster zu etablieren, können prüfen, welche wirklich unsere eigenen sind oder welche wir einfach übernommen haben. Von unserem Umfeld, oder aus der Not heraus, weil wir damals keine andere Wahl hatten. 

Es gibt Ereignisse, da glühst du vor Vorfreude und bist traurig, wenn es vorbei ist.

Dann gibt es Ereignisse, da kotzt du im Vorhinein und brauchst unter anderem die Dinge, die ich oben aufgelistet habe, um das durchzustehen. Aber wenn es vorbei ist…. Dann fühlt es sich an, als würde ein Kettenhemd von dir genommen werden. Oder als wärst du 10 Kilo leichter und du bist stolz.

Wir sind dann richtig stolz, dass wir das durchgezogen haben.

Und darum geht’s. Nicht immer versuchen, am besten zu performen, am besten zu organisieren, am besten zu harmonisieren oder am besten zu vermeiden. 

Nein, es geht darum aus jeder Situation das Beste zu machen, und das bedeutet im heutigen Beispiel, erstmal eine kurze Pause zu machen und mit etwas Abstand zu checken, was genau denn gerade passiert und was genau von mir verlangt wird. 

Liebe Grüße

NaDDi

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Leseprobe: Q&A Gleichwohl